Woher wissen Kriminelle so viel über mich?

Sie bekommen einen Anruf: „Guten Tag, hier ist Ihre Bank. Wir haben eine verdächtige Überweisung festgestellt." Die Person kennt Ihren Namen und weiß sogar Ihre Verfügernummer. Im ersten Moment wirkt das überzeugend – schließlich kann jemand, der so viel über Sie weiß, doch kein Betrüger sein. Oder?

In diesem Artikel wird erklärt, wie Kriminelle an persönliche Informationen kommen, was hinter dem Begriff “Social Engineering” steckt und warum solche Betrugsversuche oft gar nicht so raffiniert sind, wie sie im ersten Moment wirken.

Was ist Social Engineering?

Social Engineering bezeichnet die gezielte Manipulation von Menschen, um an vertrauliche Informationen oder Geld zu gelangen. Der Hintergedanke: Menschliche Schwächen auszunutzen ist oft einfacher, als eine Sicherheitslücke in einem Computersystem zu finden.

Dafür setzen Kriminelle gezielt psychologische Tricks ein. Sie lösen beispielsweise Angst, Neugier oder Panik aus. Solche Emotionen können die rationale Einschätzung einer Situation erschweren und dazu führen, dass Menschen schneller unüberlegte Entscheidungen treffen.

Der Trick mit dem Vertrauen

Ein Anruf oder eine Nachricht, die persönliche Details enthält, wirkt automatisch glaubwürdiger. Genau das machen sich Kriminelle zunutze: Die Informationen sollen Vertrauen schaffen und dazu führen, dass Betroffene weniger kritisch hinterfragen, was ihnen erzählt wird. Im nächsten Schritt wird dann beispielsweise nach einem TAN-Code, einem Passwort, einer PIN oder einer Überweisung gefragt. Dabei müssen Kriminelle gar nicht über besonders viele Informationen verfügen. Schon ein Name, eine Telefonnummer und die vermutete Bank reichen oft, um einen Anruf erstaunlich überzeugend wirken zu lassen.

Die häufigsten Quellen sind:

  • Soziale Medien: Auch öffentlich zugängliche Informationen auf Facebook, Instagram oder LinkedIn können wertvoll sein. Wohnort, Arbeitgeber, Familienmitglieder, Hobbys oder geplante Urlaubsreisen liefern einzelne Puzzleteile, aus denen Kriminelle ein persönliches wirkendes Profil erstellen.
  • Andere öffentliche Quellen: Telefonbücher oder Unternehmenswebsites liefern weitere Informationen. Auch eine einfache Suche im Internet kann bereits überraschend viele Hinweise ergeben.
  • Datenlecks: Bei Hackerangriffen auf Unternehmen und Online-Shops werden immer wieder Kundendaten gestohlen. Dazu zählen beispielsweise Namen, Adressen, Telefonnummern oder Informationen zu Bestellungen. Solche Daten werden anschließend häufig unter Kriminellen weitergegeben oder gehandelt.
  • Frühere Betrugsversuche: Wer bereits in der Vergangenheit auf einen Betrugsversuch reagiert und dabei persönliche Daten preisgegeben hat, gerät häufig erneut ins Visier der Kriminellen. Die erlangten Informationen werden für weitere Betrugsversuche genutzt.
  • Geschicktes Raten: Nicht jede Information haben Kriminelle tatsächlich recherchiert. Manchmal raten sie einfach. Wenn eine Bank viele Kund:innen hat, ist die Chance zum Beispiel relativ hoch, dass die genannte Bank tatsächlich stimmt.

Wie erkennen Sie die Falle?

Persönliche Informationen machen einen Kontakt nicht automatisch seriös. Achten Sie deshalb auf folgende Warnsignale:

  • Bleiben Sie skeptisch, auch wenn Details stimmen. Ein richtiger Name oder eine korrekte Bank sind kein Beweis für Seriosität – egal ob am Telefon, per E-Mail oder in einer Chat-Nachricht.
  • Geben Sie niemals TAN, Passwort oder PIN weiter. Banken und Behörden fragen nie danach – weder am Telefon noch per E-Mail, SMS oder WhatsApp. Wird danach gefragt, brechen Sie den Kontakt ab.
  • Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. Angebliche Dringlichkeit – etwa „Handeln Sie sofort!" – ist ein klassisches Warnsignal.
  • Klicken Sie nicht vorschnell auf Links oder Anhänge. Das gilt auch dann, wenn Absender und Betreff vertraut wirken.
  • Prüfen Sie die Identität Ihres Gegenübers selbst. Rufen Sie im Zweifel über eine offizielle Telefonnummer zurück oder schreiben Sie an eine offizielle Adresse. Verwenden Sie dafür nicht die Kontaktdaten aus dem verdächtigen Anruf oder der Nachricht.
  • Geben Sie keine sensiblen Daten preis, nur weil ein Kontakt überzeugend wirkt. Vertrauen Sie nicht allein darauf, dass Ihr Gegenüber persönliche Details kennt.

Zu spät? Das können Sie tun:

Ist es doch passiert, zählt vor allem schnelles Handeln:

  • Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank und lassen Sie betroffene Karten oder Zugänge sperren.
  • Ändern Sie umgehend alle betroffenen Passwörter.
  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.
  • Seien Sie sich bewusst: Sie sind nicht selbst schuld. Social Engineering ist gezielt darauf ausgelegt, Menschen zu täuschen – auch solche, die normalerweise vorsichtig sind.

Wie Sie vermeiden, in die Falle zu tappen!

Die wirksamste Waffe gegen Betrugsversuche ist: Wissen. Wer die gängigsten Tricks versteht, erkennt Warnsignale schneller und kann besser reagieren. Bleiben Sie deshalb stets up to date – am besten mit den Info-Angeboten von Watchlist Internet